Donnerstag, 8. Januar 2009

Tulpomanie

Für meine allerliebsten Leib-, Seelen-, Herz-, Hirn- und Wahlschwestern

Hildegard und Irmgard!

Weil ich seit einer Woche in der schönsten Blumenwohnung Wiens lebe, mit 6 Vasen, Kübeln und Eimern mit Papageientulpen, und ich eine unverbesserliche Wissensansammlerin bin, hat es mir keine Ruhe gelassen, bis ich nicht alles über TULPEN nachgelesen habe. Sie haben übrigens- jetzt voll erblüht – genau das Orange meiner Wände. Auch das habt Ihr noch bedacht!

Ich will Euch das gesammelte Wissen nicht vorenthalten, vor allem, weil es eine so schöne Symbolik hat für uns drei.

Hoffentlich wisst Ihr nicht schon eh alles über Tulpen, ihre Magie und phantastische Geschichte, mir war das jedenfalls neu.

Voila:

Die Tulpen (Tulipa) gehören zur Familie der Liliengewächse (liliaceae); es gibt ca. 150 Arten und 8000 Hybriden.

Das Wort wird abgeleitet von türkisch „tülbent“ und persisch „dulband“. Ihren Namen hat sie bekommen von der Kopfbedeckung Turban (vielleicht auch umgekehrt, mein persisch und türkisch sind nicht auf der Höhe), dessen spitz zulaufende Käppchen an die Blätter der Pflanze erinnern. Vielleicht trägst Du deswegen so gerne Turbane? Noch heute tragen anatolische Frauen dreieckige Kopftücher, die Tulbent genannt werden. Im Wappen des osmanischen Reiches war die Tulpe Nationalblume und ist bis heute in der Türkei Sinnbild für Leben und Fruchtbarkeit.

Sie ist im Vorderen Orient beheimatet: in Afghanistan, Persien, Irak, der Türkei.

Für uns entdeckt hat sie im 16. Jahrhundert der Gesandte des Kaisers Ferdinand I., Ogier Ghislain de Busbeqe (Gastarbeiter aus Frankreich) . Er brachte ein paar Zwiebel nach Wien mit, die das Gefallen des Hofgärtners Charles de l Ècluse (Gastarbeiter aus Belgien). Er ließ sie in den Wiener Hofgärten pflanzen und züchtete neue Arten. Als er 1593 als Professor an die Universität Leiden ging (Gastarbeiter aus Österreich) brachte er die Tulpe in die Niederlande, von wo sie ihren Siegeszug um die Welt antrat. Sie wurde zur absoluten Modepflanze der Höfe, der Aristokraten und Reichen; eine „Tulpomanie“ erfasste ganz Europa. Sie waren mehr wert als Gold, Silber und Edelsteine. 3 Tulpenzwiebel entsprachen 20 Wagenladungen Korn, 10 Stück Nutzvieh und 5 Fässern Bier. (Schöner Vergleich, da man die Tulpen ja nicht essen kann!) Der Preis der Zwiebel stieg in solche Höhen, dass es 1637 an der niederländischen Handelsbörse zu einem Crash kam (wie Öl?)

Mir gefällt das alles ganz ungemein, weil die Tulpe in ihrer praktischen Nutzlosigkeit die Ordenspflanze der Künstler/MalerInnen sein sollte: die Freue an der reinen Anschauung. Darum wirken sie ja auch immer am besten, wenn sie pur sind, ohne irgendein Beiwerk oder andere Blumen. (Das wisst Ihr ja schon lange!) Und die fast endlose Variation. Es gibt keine Form oder Farbe, die die Tulpe nicht annehmen könnte – so wie gute Bilder.

Und vielleicht wollen wir sie zur Wappenblume unseres Wahlschwesternbündnisses machen?

Aber es würde auch ein einziges Wort genügen: DANKE! Diese 60 sind so schön, dass, wenn ich sie anschaue, meine 60 gar nicht wehtun.

Seid umarmt von Eurer alten Tulpomanen (wahrscheinlich die harmloseste aller Manien, oder, Frau Doktor?)

Veronika mit Tulpenkussumarmung!

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